17:03 Uhr

Die Violinen von Beethovens Neunter überschlagen sich nahezu und laden ein, in weiser Voraussicht des martialischen Crescendos mit Rollkoffer und Mitnehmkaffee beladen so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Das machen nicht alle. Die Sitzgruppen, die die Stadt mit der klassischen Installation zu vertreiben sucht, sind trotzdem da, reden lauter, rücken etwas zusammen kommunizieren mit Blicken und streicheln ihre Plüschgefährten. Drei schnittige Anzüge und ein herbstlich verstecktes Abendkleid eilen vorbei, wahrscheinlich in Richtung Schauspielhaus oder Bar mit Loungemusik. Aus zwei kleinen Quadraten dringt taktvoll Rauch auf den Vorplatz, der sich melodisch mit dem der Gruppen verbindet. Androhungen bezüglich verspäteter Zugfahrten und entschuldigende Worte der Deutschen Bahn werden hier von infernalen Tönen verschluckt, nur selten bekommt ein Hupen oder ein Gesprächsfetzen akustisch Raum, von Minestrone ist die Rede, von Mutter oder Manalterwaswillstduvonmir. Während der erste Satz auf sein Ende zugrollt, fällt eine Asianudel zu Boden, sonst passiert nichts. 17:06 Uhr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s